Ende eines Mysteriums

 

Hannover 06.10.2011

 

Das aktuell veröffentlichte neue Konsensdokument zum Chronischen Erschöpfungssyndrom (Journal of Internal Medicine Volume 270, Issue 4, pages 327–338, October 2011) beendet die Diskussion einer angeblich mysteriösen Erkrankung. Die Bezeichnung “Chronic Fatigue Syndrome“ (Chronisches Erschöpfungssyndrom) hat sich angesichts neuerer Forschung und klinischer Erfahrung, als ungeeignet herausgestellt.

Die Erkrankung weißt stark auf eine verbreitete Entzündung und eine multisystemische Neuropathologie hin. Es ist daher angemessener und richtiger, den Begriff „Myalgische Enzephalomyelitis“ (ME) zu verwenden, weil dieser auf eine zugrundeliegende Pathophysiologie hinweist. Er stimmt zudem mit der neurologischen Klassifikation des ME als ICD- G93.3 in der Internationalen Klassifikation der Krankheiten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) überein.
Dementsprechend ist ein Internationales Konsensgremium gebildet worden, dem Kliniker, Forscher, Lehrende sowie ein unabhängiger Patientenvertreter aus 13 Ländern angehörten. Dessen Ziel war die Entwicklung von Kriterien auf der Basis des derzeit vorhandenen Wissens. Das Gremium stellte fest, dass die Myalgische Enzephalomyelitis eine erworbene neurologische Erkrankung mit vielschichtigen, umfassenden Dysfunktionen ist. Die hervorstechenden Merkmale sind eine pathologische Dysregulation des Nerven- und des Immunsystems sowie der endokrinen Systeme, verbunden mit gestörtem zellulären Energiestoffwechsel und gestörtem Ionentransport.

Die neuen Richtlinien für die Anwendung in Klinik und Forschung fördern das optimale (Wieder)-Erkennen des ME durch die Ärzte in der Primärversorgung und andere Angehörige des Gesundheitswesens, verbessern auf internationaler Ebene die Gleichheit der Diagnosen bei Erwachsenen und Patienten im Kindes- und Jugendalter und fördern eine klarere Bestimmung von Patienten für Forschungsstudien.

Die Lost Voices Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, wissenschaftliche Erkenntnisse wie die internationalen Kriterien zu ME in Deutschland bekannt zu zumachen. Dadurch soll sich die Versorgungssituation der deutschen Patienten verbessern. Viele erhalten aktuell keine angebrachte medizinische Betreuung und sind häufig ausschließlich auf die Versorgung durch Ihre Angehörigen angewiesen. Zurzeit verfügen schätzungsweise nur 10 Prozent der deutschen Erkrankten über eine richtige Diagnose. Es gibt in Deutschland einen großen Aufholbedarf über das Wissen zu ME. Mehr über die Lost Voices Stiftung findet sich unter www.lost-voices-stiftung.org

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